Musical Konzept

Unterrichtsstruktur des Jan Husical

Das Schulmusical findet im Rahmen des individuellen Neigungsangebotes der Ganztagsschule statt. Hierzu sieht das Schulkonzept ein Kontingent von zwei Zeitstunden pro Unterrichtswoche, jeweils montags und mittwochs, vor. Jedoch bedient sich das Musical nicht nur der AG – Zeit, so werden in Absprache mit der Schulleitung und dem Lehrerkollegium separate Probentage realisiert, damit eine angemessene Ausbildung der Schüler in den Teilsparten des dreigliedrigen Musicalsystems gewährleistet ist. Des Weiteren können durch die erweiterten Probentage entsprechende Durchlaufproben und größere Stellproben durchgeführt sowie in Kleingruppen rollenspezifische Inhalte geübt werden.

All diese Befunde stellen hohe Erwartungen an die Darsteller, denn diese müssen sich gleichermaßen als Schauspieler, Sänger und Tänzer beweisen, wodurch alle Beteiligten sich stetig mit großen Herausforderungen konfrontiert sehen. Hinzu kommt die Heterogenität der Schülerschaft, denn erfahrungsgemäß haben auch die Schüler ihre Präferenzen in den Einzelsparten. In diesem Kontext ist auch das jeweilige Ausgangsniveau von zentraler Bedeutung, haben wir doch Teilnehmer, die bereits in der Grundschule schon an Musical- oder Theateraufführungen mitwirken konnten und Teilnehmer die durch unsere Arbeitsgemeinschaft erstmalig mit diesem Bereich in Berührung kommen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wird mit dem Schuljahr 2015/2016 eine Einteilung in unterschiedliche Niveaustufen vorgenommen. Dadurch soll abgesichert sein, dass jeder Schüler ausreichend gefördert, aber auch gefordert wird. Damit der Probenbetrieb und die damit einhergehende musisch – ästhetische Bildung strukturiert ablaufen können, werden die Schüler zu Beginn eines Schuljahres in die unterschiedlichen Klassen eingeteilt. Diese umfassen nie mehr als 10 Teilnehmer und sind flexibel. Die Flexibilität ist besonders wichtig, da in der Zeit der intensiven Probenarbeit oft Schüler verschiedener Niveaustufen zusammenkommen.

Übersicht Niveaustufen

Die erste Niveaustufe - Basic class

In dieser Niveaustufe werden die Schüler in den Fächern Schauspiel, Gesang und Tanz an grundlegende Techniken herangeführt. Im Schauspiel geht es dabei um die Ausdrucksschulung in Bezug auf Mimik und Gestik sowie das deutliche und situationsangemessene Betonen von sprachlichen Äußerungen. Gerade dies bereitet vielen Schülern zu Beginn große Probleme, da oft Texte nur heruntergesprochen oder monoton dargeboten werden. Deshalb wird anhand von Lautleseübungen an der richtigen Intonation gearbeitet. Durch kleinere Improvisationsübungen werden Grundaspekte der verbalen Kommunikation ins Bewusstsein der Musicalteilnehmer gerückt, zeigt sich bei vielen Schülern im Alltag doch oft, dass sie meist nicht mehr in der Lage sind richtig zuzuhören beziehungsweise das Gegenüber ausreden zu lassen. Dieser Umstand ist für die Bühnenarbeit jedoch von zentraler Bedeutung, wenn es um die richtigen Redeeinsätze unter den verschiedenen Rollencharakteren geht. Schließlich geben die Textstellen der Mitspieler wichtige Orientierungspunkte für den eigenen Rollentext. In der Grundstufe werden dahingehend Impulskreise verschiedenster Art genutzt. Diese trainieren die Aktions- und Reaktionsfähigkeit der Schüler nachweislich.

Der Gesangsunterricht der ersten Niveaustufe orientiert sich maßgeblich am Fachlehrplan Musik. Dieser zeigt durch die Kompetenzentwicklung in den einzelnen Schuljahrgängen auf, was die Schüler bereits können beziehungsweise noch lernen müssen. Für das Grundniveau liegt der Schwerpunkt vor allem auf der musikalischen Reproduktionskompetenz, so lernen die Kinder mit Hilfe von gezielten Stimmbildungsübungen ihre Stimme richtig zu gebrauchen. Zusätzlich können sie am Ende der ersten Niveaustufe sicher in der zweiten Stimme singen (vgl. FLP Musik 2012) und die Musicalsongs hinsichtlich der Melodie, des Rhythmus und des Textes sicher beherrschen. Im Tanzunterricht wird in Kombination mit den Songprodukten aus der Sparte Gesang an der Präsentation der Lieder auf der Bühne gearbeitet. Hierzu gehören einfache Schrittfolgen nebst kompletten Choreographien auf einfachem Niveau. Stilistisch richtet sich der Tanzunterricht am Genre Modern Dance/ Jazz Dance aus. In Ergänzung zum bestehenden Angebot wird dieser Kurs auch außerhalb der Musicalzyklen für die Schüler angeboten.

Die zweite Niveaustufe - Advanced class

In der Advanced class werden die Lerninhalte aus der Basic class fortgeführt und vertieft. Maßgeblich für die Kenntniserweiterung im Bereich Schauspiel sind grundlegende Inhalte aus dem Unterrichtsfach Darstellendes Spiel, welches in Sachsen – Anhalt jedoch kaum als festes Unterrichtsfach angeboten wird. Dennoch hat das Land einen Kurslehrplan zum Wahlpflichtbereich Kultur und Künste in der Erprobung. In diesem Curriculum werden fundamentale Inhalte der darstellenden Kunst berücksichtigt. Für den Schauspielunterricht im Musical finden sich einige zu übernehmende Ansatzpunkte. Demnach ist das Ziel der zweiten Niveaustufe, dass die Schüler sich mit der „Funktion und Wirkung theatraler Gestaltungs- und Ausdrucksmittel“ sowie mit „den Grundlagen des darstellenden Spiels in Form von Wahrnehmungs- und Sensibilisierungsübungen, pantomimischen Übungen und Körperübungen“ auseinandersetzen (KLP 2014, S.26ff.). Diese Kompetenzen werden, wie in allen Niveaustufen, zu einem Großteil anhand des entsprechenden Musicalstoffes ausgebildet. Zunehmend geht es auch um das Erarbeiten einer Szene und von Szenenabläufen sowie den Umgang mit Texten und einhergehender Rollenerarbeitung durch das Erstellen von Rollenkarten.

Für die gesangliche Ausbildung nutzt die zweite Stufe bereits erworbene Kenntnisse aus dem Anfangsniveau. Die Schüler trainieren weiterhin das Singen in der Mehrstimmigkeit sowie allgemein das chorische Singen. Dabei wird auch der Stimm- und Gehörbildung ein besonderer Stellenwert verliehen, so entwickeln die Kinder eigene Einsingabfolgen, die ihnen in der späteren Auftrittsphase helfen, sich stimmlich angemessen aufzuwärmen. Neben der chorischen Gesangserfahrung findet die solistische Ausbildung der Schüler statt, werden doch kleinere solistische Gesangsrollen erst ab dem zweiten Niveau vergeben. In diesem Kontext wird zusätzlich das Angebot der Sprecherziehung an separaten Probentagen gemacht. Im Schuljahr 2015/2016 fällt diese Trainingsoption noch in den Bereich des Schauspiels. Allerdings soll das Angebot durch die Kooperation mit einer professionellen Sprechwissenschaftlerin und Sprecherzieherin im Schuljahr 2016/2017 qualitativ verbessert und als eigenständige Disziplin weiterentwickelt werden. Auf Ebene der musikalischen Kreativität werden spezifische Gestaltungsmittel der Popularmusik beim Erarbeiten und Präsentieren von Musicalliedern genutzt (vgl. FLP Musik 2012). Zusätzlich werden grundlegende Begriffe aus der Notenlehre eingeführt. In der Sparte Tanz wird das Training um Grundschritte des klassischen Tanzes erweitert. Je nach Ausrichtung des aktuellen Musicalstückes erfolgt dies als genreübergreifendes Performancetraining.

Die dritte Niveaustufe - Master class

Mit der Master class, also der höchstmöglichen Niveaustufe, werden Inhalte der vorhergehenden Stufen zunehmend in die spielerisch – künstlerische Autonomie der Schüler überführt. Im Schauspiel wird verstärkt an der Präsentationskompetenz gearbeitet sowie an Kernkompetenzen innerhalb der kulturellen Kreativität (vgl. KLP 2014). Demnach werden die Darsteller in der szenischen Improvisation angeleitet, um diese später selbstständig durchführen und auf spontane Ablaufveränderungen bei einer Aufführung reagieren zu können. Zudem sei an dieser Stelle vermerkt, dass ein Großteil der Hauptrollen verstärkt an Schüler der Master class vergeben wird, da komplexe Rollen erweiterte Fähigkeiten als Sänger und Schauspieler voraussetzen. Gerade für große Rollen ist das Selbststudium unabdingbar, so werden hier die Strategien der Rollenerarbeitung in Kooperation von Schüler und Lehrer angewandt. Ziel ist es jedoch, dass der Darsteller sich zunächst selbstständig einen Rollencharakter formen kann, also folglich die Lehrtätigkeit nur noch beratend stattfindet. Auch das Planen künstlerischer Prozesse soll in der Master class vertieft werden, so leiten Darsteller dieser Niveaustufe auch Szenenproben an. Dadurch wird ein Perspektivwechsel initiiert, der den Schauspieler in die Rolle eines Regisseurs versetzt und somit einen differenzierten Blick auf das Gesamtwerk ermöglicht (vgl. ebd.).

Im gesanglichen Bereich wird die solistische Ausbildung fokussiert. Neben den üblichen Strategien zur Stimm- und Gehörbildung, erarbeiten die Schüler sich selbstständig Melodien von Musicalsongs und üben sich am Gestalten der Mehrstimmigkeit. Dabei erweitern die Schüler ihre Kenntnisse, indem sie sich der Dreistimmigkeit bedienen. Auf musiktheoretischer Ebene arbeitet der Gesangsunterricht kooperierend mit dem Musikunterricht, so lernen die Schüler sich am Notenbild der Songs zu orientieren und anhand von einfachen Liedpartikeln das Absingen vom Notenblatt. Dies soll zur Selbstständigkeit in der Songerarbeitung beitragen. Die Theorie zur Stimmbildung wird aus dem Gesangsunterricht ausgelagert und in die Sprecherziehung überführt. Des Weiteren kombinieren sich Tanz- und Gesangeinheiten, da die Solisten zu den entsprechenden Rollensongs immer auch Choreographien erlernen müssen. Für einfache Schrittfolgen wird dies an die Darsteller selbst übergeben, so können sie bereits Erlerntes in einem neuen Kontext anwenden. Allerdings erfolgt das Einstudieren von neuen tänzerischen Elementen wie Hebungen oder Formen des Ausdruckstanzes unter Anleitung der jeweiligen Tanzlehrer.